1. Gegen Ende eines Maturakurses in der Erwachsenenbildung komme ich mit den Teilnehmern ins Gespräch, was sie unternehmen wollen, wenn die Prüfung hinter ihnen liegt. Ein ca. 22 jähriger Schüler gab zu Protokoll: Er weiß es noch nicht genau, vielleicht dieses Fach studieren oder jenes, vielleicht in dieser Stadt oder in jener Stadt, vielleicht früher oder später. Und wenn ihm gar nichts einfällt, dann macht er halt nochmal eine Weltreise.
Es sei ihm von Herzen gegönnt. :-) Ein persisches Sprichwort lautet: Erzähl mir nicht von Deinen Studien, sondern von Deinen Reisen.

2. Meine Disputation in Didaktik der Geometrie war im Juli 2016 in Augsburg. Das ist die Doktoratsprüfung, manchmal sagt man auch Defensio oder Rigorosum dazu. In dieser Prüfung soll der Kandidat die Ergebnisse seiner Doktorarbeit vorstellen und anschließend die Fragen der Kommission beantworten. Zur Vorbereitung hatte ich einige Bücher bestellt, aber eines davon war über Monate hinweg nicht verfügbar. Dieses fehlende Buch kam schließlich doch noch an – genau einen Tag nach meiner Prüfung. Ich liebe ironische und surreale Konstellationen. Der Mitarbeiter des Buchgeschäfts war total höflich, er hat mir erklärt, dass es nachproduziert werden musste und mich gefragt, ob ich es überhaupt noch kaufen möchte. Auf jeden Fall, denn das, was drin steht, gilt noch in tausend Jahren. Stimmt, aber so lange wird die nächste Lieferung hoffentlich nicht dauern -  wir haben beide gelacht.

3. Als ich das erste Mal zu einer Fachdidaktiktagung gefahren bin kannte ich natürlich nicht viele Leute. Eines Abends sitzen wir in kleiner Runde zusammen und diskutieren. Es entwickelte sich eine intensive Grundsatzdiskussion zwischen zwei Teilnehmern. Einer der beiden war ein hochgebildeter, schöngeistiger Universitätsprofessor. Den anderen Herren kannte ich nicht, aber ich bewunderte seine ruhige Art, zu widersprechen und seine Einwände vorzutragen. Danach fragte ich einen Kollegen, wer das ist und welchen Lehrstuhl er inne hat. Antwort: Gar keinen, er ist Hauptschullehrer. Das gab mir zu denken, daraus hab ich gelernt. Argumente sind wichtiger als Titel. 

4. Als wissenschaftlicher Assistent korrigieren wir im Kollegium eine Klausur zur Didaktik der Geometrie. In einer Aufgabe war eine Dreieckskonstruktion anzugeben und als Ergänzung die sog. Gültigkeitsanalyse. Darin begründet man, dass die Konstruktion zum gewünschten Ziel führt. Ein Student hat sich einen Freudschen Verschreiber geleistet: Er hat die Gleichgültigkeitsanalyse formuliert.

5. Vor der Einführung der Zentralmatura kannten Lehrkräfte die bevorstehende Matura. Einmal bat mich der Fachleiter, sie Korrektur zu lesen und zu rechnen. Dann erreicht mich eine höfliche Mail eines Kandidaten, der um weiteres Übungsmaterial bittet. Ich war bereits zu lange am Computer, hatte zig Dateien geöffnet und habe ihm dann eine Original-Maturaaufgabe mitgeschickt, die ihm in einer Woche in der Prüfung vorgelegt werden wird. Nach ca. drei Sekunden bemerke ich meinen Fehler und stehe mit Blick auf diesen Siegelbruch unter Schock. Dann schreibe ich dem Fachleiter eine Mail, räume meinen Fehler ein, übernehme die Verantwortung dafür und frage nach, wie wir jetzt damit umgehen. Der Fachleiter war komplett entspannt und geschmeidig.

Ja, das ist dann eben so. Schick ihm doch einfach noch viel mehr Übungsmaterial,

so dass die eine Aufgabe in der Menge untergeht.

Was ich dann auch getan habe. :-)

 

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